Realschule im Stiftland erhält die Auszeichnung Umweltschule in Europa mit 3 Sternen

Nicht nur „fridays for future“, sondern „all days for future“ wird seit Längerem an der Realschule im Stiftland praktiziert. Dabei verfolgt die Realschule in der Klosterstadt Waldsassen nicht medienwirksame Eintagsfliegen-Projekte, vielmehr setzt man hier an der Knabenrealschule des Stiftlandes auf nachhaltige kleine Maßnahmen, um die Umwelt dauerhaft zu entlasten sowie die Artenvielfalt in Flora und Fauna zu stabilisieren und auszubauen.

Seit Jahren hält die Schule Boxen für die Rückgabe von Altbatterien und zum Recycling alter Handys bereit. Als weitere „Umweltsünde“ wurde der hohe Papierverbrauch ausfindig gemacht. In jeder Schule fallen immer wieder Fehlkopien und Ähnliches an. Normalerweise würde dieses Papier im Müll landen. Nicht so an der Realschule im Stiftland. Um dieses Papier einer erneuten Verwendung zuzuführen, wurde in einem ersten Schritt in Kunst die „Schmierpapierbox“ eingeführt. Denn gerade der Kunstunterricht ist während der Ideenfindungsphase von einem hohen Papierverbrauch geprägt. So finden die Fehlkopien als Entwurfspapier eine nochmalige Verwendung, bevor sie endgültig über die Papiermülltonne dem Recycling zugeführt werden. Mittlerweile läuft das Projekt so gut, dass eine Ausweitung auf andere Fachräume stattfindet. Begleitend zum Schulalltag erfahren die Schüler, dass nicht immer alles neu sein muss. Dies schult das Bewusstsein für „Second-Hand“ sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen Zellulose, Wasser und Energie.

Müllvermeidung ist der Mülltrennung immer vorzuziehen, doch gerade bei Letzterem werden in den Haushalten viele Fehler gemacht. Daher befasste sich die 7. Jahrgangsstufe im Distanzunterricht des Fachbereiches Ernährung und Gesundheit ausführlich mit dem Abfallwegweiser des Landkreises Tirschenreuth. Zunächst wurde das Thema mittels einer Mindmap vorstrukturiert und letztlich als Lapbook umgesetzt. Ein Wissen, dass die Schüler täglich in ihrem Lebensalltag anwenden können.

Auf die Anwendung im alltäglichen Leben zielt auch die Teilnahme am Projekt Umwelt-Einstein.

Freiwillig und hoch motiviert nahmen die Schüler der Klassen 7b, 8a und 8b eigenständig über 5 Tage im Juni 2021 daran teil. Im Rahmen einer zusätzlichen Hausaufgabe sahen sich die Jugendlichen dabei täglich mit umweltbezogenen Aufgaben konfrontiert, welche sie mittels Internetrecherche zu lösen versuchten. Dabei flossen Überlegungen hinsichtlich Biodiversität, Nachhaltigkeit, Liefer- und Transportwegen, Energiequellen und -verbrauch ein. Ebenso war die Teilnahme an den Global Action Days für die Schüler ein voller Erfolg.

Um in der Schulumgebung eine biologische Vielfalt aufzubauen wurde bereits vor einigen Jahren ein Insektenhotel von den Schülern gebaut. Ein Jahr darauf folgten die Fledermauskästen in einem übergreifenden Projekt der Fachrichtungen Biologie, Werken und Kunst. Unter Mithilfe des Hausmeisters und der Arbeiter des Waldsassener Bauhofes erfolgte die Montage an einer rückwärtigen Schulhauswand in über 5m Höhe.

Als im Juni 2021 bei den Schülern der Klasse 6a in der Pause mal wieder der Blick in den kleinen Schulgarten und das Kräuterbeet fiel, hatten sie sich entschlossen etwas daran zu ändern. Schon zwei Wochen später wurde zusammen mit der Umweltstation Waldsassen das Projekt in die Tat umgesetzt. Mit Zierpflanzengärtnerin Claudia Dietz, die mit ihrem großen Wissen über Pflanzen und deren Kultivierung den Schülern alles Wissenswerte dazu beibrachte, bepflanzten sie beide Beete. Im Schulgarten fanden sich Kartoffeln, Silphie, bienenfreundlicher Blumenstreifen, Erdbeeren, Sonnenblumen, Hafer, Weizen, Gerste, Dinkel. Im steinernen Hochbeet säten die Schüler Lavendel, Ringelblumen und Gänseblümchen als essbare Blüten. Dafür brachten die Schüler selbst Pflanzen, Erde und Gerätschaften mit. Bei Natur- und Umweltpädagogin Sandra Wenisch lernten die Kinder wie man Kräuterlimo sowie Blütenbutter aus Schlagsahne selbst herstellt. Durch die gute Planung in Zusammenarbeit mit der Umweltstation war die Umsetzung ein voller Erfolg.

Im verantwortungsvollen Umgang mit der Natur wurde den Schülern die Bedeutung von Biodiversität und deren Nutzen für uns Menschen bewusst. Nach der langen Lockdown-Phase erlebten die Schüler darüber hinaus das gärtnerische Tun positiv für ihre Psychohygiene und seelische Gesundheit und stärkten damit ihre Resilienz.

In einer kleinen Feier präsentierten die Schüler ihre Projekte und luden die Gäste abschließend zu Bauerbrot mit „Erdäpfelkas“ ein – natürlich hergestellt aus den schulgarteneigenen Kartoffeln. Landrat Roland Grillmeier gratulierte der Realschule im Stiftland zur Auszeichnung „3-Sterne-Umweltschule in Europa“ für das Jahr 2021. Mit der Übergabe einer Spende honorierte der Landrat das Engagement der Schüler sowie der Lehrerinnen Barbara Strenge und Birgit Plößner. Ergänzend dazu stellte Bürgermeister Bernd Sommer die hervorragende Zusammenarbeit der Schule mit außerschulischen Kooperationspartnern wie beispielsweise der Umweltstation Waldsassen oder dem städtischen Bauhof heraus und sagte der Schule dahingehend jede benötigte Unterstützung für die Zukunft zu. Besonders erfreut zeigten sich beide politischen Amtsträger darüber, dass die Realschule im Stiftland den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten will. Betriebe aus der Region, die nachhaltiger und umweltfreundlicher produzieren, sollen über den Unterricht hinaus stärker in den Fokus gerückt werden. Ein Besuch beim Bauern Richtmann in Kondrau bildet den Auftakt und ist bereits in Planung. Die Schüler sollen dort nicht nur etwas über artgerechte Tierhaltung und Milcherzeugung lernen. Vielmehr sollen diese Erfahrungen in das übergeordnete Thema eines fairen und nachhaltigen Konsumverhaltens einfließen. Mehr Saisonalität, Regionalität und Sozialverträglichkeit beim täglichen Einkauf – damit präsentiert sich die Realschule im Stiftland zukunftsorientiert in der „Fairtrade-Stadt Waldsassen“.

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